Menschen & Glück

Gastkompliment: Willkommen gefühlt

Was sind eigentlich die wichtigsten Eigenschaften eines Hotels? Wer jetzt ein ‚Bett‘ sagt, ist mit Sicherheit ein schlauer Fuchs. Leckeres Frühstück, Sauberkeit und freundliche Mitarbeiter stehen natürlich auch ganz oben. Später in meinem Blog werdet Ihr einen Beitrag über das gewisse Etwas finden – das Sahnehäubchen. Wonach es schmeckt? Nach Persönlichkeit und nach echter, von Herzen kommender Gastfreundschaft.

Vor einigen Jahren arbeitete ich für die heute größte Hotelkette weltweit, in Köln, in einem 365 Zimmer Haus der Luxus Klasse. Bei so vielen Zimmern sowie einer TOP Auslastungsquote könnt Ihr Euch bestimmt vorstellen, dass man irgendwann nicht mehr die Persönlichkeit des einzelnen Gastes sieht, sondern nur noch XY, den man, nachdem er die Rezeption verlassen hat, auch schon wieder völlig vergessen hat, da bereits der Nächste wartet. Ich würde mal sagen, dieses Verhalten wird mit jedem Arbeitstag immer normaler. Leider.

Doch in den ersten Monaten war das noch ganz anders und eine Begegnung mit Gästen ist mir in besonders guter Erinnerung geblieben und sie gehört bis heute zu den Schönsten überhaupt. An einem Tag, ich glaube es war im September, checkte ein Pärchen ein, beide so Mitte 40, die zum ersten Mal in Köln waren und natürlich noch ein paar Insider Tipps abgreifen wollten. Sie wollten wissen, wo man denn abends lecker essen gehen kann, ohne in einer Horde ‚Touris‘ unterzugehen. Ich empfahl also ein beliebtes Restaurant- und Café-Plätzchen (unweit meiner Wohnung entfernt), wo ich selbst oft das Leben zwischen waschechten Kölnern genoss. Eigentlich wollte das Paar aber gern asiatisch essen, doch sie lauschten trotzdem gebannt meiner charmanten Empfehlung, auch wenn es bei meinem Tipp nur um Italiener und urige kölsche´ Kneipen ging. „Wir werden später spontan entscheiden“ lautete das Fazit der beiden und damit verabschiedeten sie sich auf ihr Zimmer und ich widmete mich wieder den anderen wartenden Gästen.

Abends nach meinem Feierabend radelte ich wie gewohnt nach Hause und kam wie immer an dem vor einige Stunden noch empfohlenen Café-Platz vorbei. Unwillkürlich musste ich wieder an das Paar vom Check-In denken. Ich ließ meinen Blick schweifen und stieg vom Fahrrad ab. Einfach nur so aus Neugier. Aber bestimmt waren sie doch woanders hingegangen. Ich wollte schon weiterfahren, als ich jemanden winken sah. Und tatsächlich, das galt mir und sie saßen wirklich da. Beim Italiener. Ich schob mein Rad zu den beiden rüber und grinste über das ganze Gesicht. Nach dem wir lachend ausgeschlossen hatten, dass sie den Italiener doch nur versehentlich mit einem Asiaten verwechselt hatten, kamen wir nochmal kurz ins Gespräch. Beide dankten mir für diesen tollen Tipp und dann ergänzte der Mann noch ein superschönes Kompliment. „Sie haben uns so freundlich empfangen und beraten, ich habe mich im Zimmer erst mal auf´s Bett gelegt und das Gefühl genossen, so richtig willkommen zu sein. Das war wundervoll“. Er strahlte mich an. Voller Glück und Dankbarkeit. Wahnsinn. Diese beiden Sätze von ihm gingen wirklich runter wie Öl – in diesem Moment konnte ich mein Herz tanzen fühlen. Es mag albern klingen, doch ich glaube, ein schöneres Kompliment kann ein Gast einem Hotelmitarbeiter kaum machen. Das Wichtigste in einem Hotel ist eben doch, die von Herzenden kommende Gastfreundschaft 🙂