eigene Gedanken · für Gäste

How to book a hotel?

Vor ungefähr 10 Jahren hätte man gesagt: direkt im Hotel, wo denn sonst?

Heute würde man sagen: natürlich im Internet! Was für eine Frage.

Und warum? Weil es dort die besten Angebote gibt. Dem kann ich gar nicht mal widersprechen, leider. Denn aus Hotelsicht ist der online Vertrieb Fluch und Segen zu gleich. Dank großer Buchungsplattformen (wo Euch bestimmt direkt drei einfallen werden) ist nahezu jedes dort angeschlossene Hotel ziemlich einfach auffindbar. Es ist quasi wie ein Markplatz über den man bummelt – auf der Suche nach dem besten Angebot (was so viel bedeutet wie nach dem günstigsten Preis). Und davon gibt es Unzählige. Doch wie unterscheiden sich diese eigentlich? Wo sollte ich buchen, um wirklich die für mich besten Konditionen zu erhalten? Und wer würfelt eigentlich die gefühlt 1000 verschiedenen Preise der ganzen Hotels?

Ich versuche mal ein paar Fragen davon zu beantworten – und als Reservierungsmitarbeiterin hätte ich da so den ein oder anderen Tipp auf Lager, da ich mich fast den ganzen Arbeitstag damit beschäftige.

Fangen wir mal vorne an. Beim Anlass der Reise: als Geschäftsgast (gilt natürlich auch für privat) sucht man meist nur ein, zwei Nächte, mit oder ohne Frühstück und am besten noch möglichst flexibel stornierbar. Damit bleibt häufig nur die Tagesrate eines Hotels, die ich entweder direkt im Hotel buchen kann (am besten auf der Homepage, wenn sie dann eine Buchungsmaske anbietet) oder über sogenannte Online Travel Agencies (OTA´s), damit meine ich die großen Buchungsportale, wo die Hotels ihre Preise selbst! einstellen und verwalten. Lange Zeit mussten die Hotels sich an die sogenannte Ratenparität ketten, damit sie bloß nicht ihre Zimmer selber günstiger verkaufen konnten als über die Portale, die natürlich mit der Best-Preis-Garantie werben wollten. Doch vor einigen Jahren haben dann auch mal die Gerichte erkannt, dass solche Vertragsbedingungen einfach nur die freie Preisbildung beeinflussen und haben dem Ganzen einen Riegel vorgeschoben. Ende vom Lied: jedes Hotel (zumindest in Deutschland) darf seine Zimmer nun selbst günstiger verkaufen als auf den Buchungsplattformen. Und davon machen zum Glück immer mehr Gebrauch. So geben viele Hotels auf ihren eigenen Homepages ca. 5 % Extrarabatt oder andere Extraleistungen wie freies Parken etc. bei Direktbuchung. Warum? Weil sie so um die 15 % Kommission sparen, die sie für jede Portalbuchung lockermachen müssten.

Doch noch immer wissen viele Gäste nicht darüber Bescheid. Was auch daran liegen könnte, dass viele Hotels nicht an Hotelvergleichsportale (die verschiedenen Portale vergleichen) angeschlossen sind. Somit werden sie dort auch gar nicht erst angezeigt und niemand weiß, dass viele Hotels eigentlich selbst den günstigsten Preis anbieten. Doch auch die Portale sind pfiffig. Sie werben weiterhin mit der Best-Preis-Klausel (und erstatten im Zweifel den Differenzbetrag). Außerdem bieten sie den Hotels an, dort für „Members“ (Stammbucher der Portale),  10 % Rabatt einzuräumen … die Katze beißt sich also wieder selbst in den Schwanz. Trotzdem machen viele Hotels dabei mit, um sich durch den Rabatt wiederum von anderen Hotels auf den Portalen abzusetzen, die keinen Rabatt für Member anbieten. Doch genug dazu. Fazit: immer bei den Hotels direkt prüfen, was sie anbieten können!

Noch ein Hinweis zur Preisgestaltung: die meisten Hotels geben Frühbucherraten, oftmals sind diese 20 % günstiger als später der Normalpreis. Aber sie sind auch nicht stornierbar und direkt nach Buchungsabschluss per Kreditkarte zu bezahlen. Schnell sein lohnt sich also. Zur Not einfach mal im Hotel nachfragen (nette Reservierungsmitarbeiter helfen da gern weiter 🙂 ), bis wann diese buchbar sind. Häufig sogar bis ein oder zwei Wochen vor Anreise. Dann kann man auch noch bis zu diesem Tag warten, somit minimiert man immerhin ein bisschen das Stornorisiko. Noch ein Tipp: bei diesen Preisen am besten nichts weiter dazu buchen, falls man dann doch storniert ist es dann nicht ganz so viel, als wenn man das Frühstück und Parken auch noch dabei hätte. Je näher das Anreisedatum rückt, umso häufiger steigen die Preise erst mal noch. Aber am Anreisetag selber fallen sie dann oft wieder (häufig nur in großen Hotels, denn diese prüfen jeden Tag neu die Marksituation), was daran liegt, dass die wenigsten Hotels komplett ausgebucht sind. Und ein belegtes Zimmer ist in jedem Fall besser als ein leeres, auch wenn es nicht der volle Preis ist. Doch das will ich jetzt nicht weiter vertiefen. Fazit: Frühbuchen lohnt sich (wenn die Reise fest geplant ist). Und kleine Hotels spielen weniger mit ihren Preisen als Große. Der günstigste Tag ist übrigens der Sonntag.

Nun zu den Kurzurlaubern, Wellnesssuchenden, Aktiven und „Alltagsentfliehern“: Ihr habt eine riiiiiesen Auswahl, nicht nur an unglaublich vielen und schönen Hotels, sondern auch an Arrangements, die immer mehr Anbieter vertreiben. Auch hier gilt, immer zuerst direkt beim Hotel (gern natürlich bei einem feinen Plätzchen 😉 ) schauen, was sie so feines anbieten. Gut gebucht Hotels können sich „den Luxus“ erlauben, ihre Arrangements ausschließlich selbst zu verkaufen, da sie ohnehin fast immer ausgebucht sind. Die großen Klötze haben es da wieder schwieriger. Und schon sind die unterschiedlichsten Reiseanbieter zur Stelle, die die Arrangements gern auf ihren Seiten präsentieren (und natürlich sehr gern wieder Kommissionen zwischen 10 und 20 % einstreichen). Aber gut. So findet mancher Gast überhaupt ein Hotel, was er ohne Zwischenvermittler vielleicht nicht gefunden hätte. Und dann gibt es noch die, die nicht die fertigen Arrangements der Hotels weiterverkaufen, sondern Super-Schnapper einfordern, die sie günstig im Hotel einkaufen und direkt ihre Mage drauf schlagen, um sie dann immer noch günstig an die Kunden/Gäste zu verkaufen (häufig nicht stornierbar und direkt beim Anbieter zu bezahlen).

Alles legitim. Kein Hotel wird dazu gezwungen mitzumachen. Moment, stimmt gar nicht, einer zwingt sie ja doch: der harte Wettbewerbsdruck in der deutschen Hotellerie. Ich frage mich immer, wie es andere Länder schaffen, ihre Hotelzimmer nicht so zu verramschen wie wir. Natürlich freue ich mich als Gast über günstige Preise. Ist ja bei andren Produkten nicht anders. Doch manchmal darf man auch kurz mal über die Verhältnismäßigkeit nachdenken, ob es denn sein kann, dass man bei einem Arrangement mit beispielsweise zwei Übernachtungen, Halbpension und einer Massage nur 99 € pro Person zahlt, wovon das Hotel noch die Kommission abgeben muss. Und der Staat möchte auch noch ein wenig Steuer davon haben. Was bleibt dann noch? Aber das muss eben jeder für sich entscheiden.

Fazit: direkt im Hotel buchen. Manchmal hilft es sogar, eine Frühbucherrate zu nehmen und sich die einzelnen Arrangementleistungen separat dazu zu buchen, dann hat man auch nichts drin, was man eigentlich gar nicht unbedingt braucht/wollte.

In diesem Sinne: plant schon mal die nächste Reise 🙂