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VIP Gast: Hygge

Gerade Formen, Mustertapeten und ökologische Farben & Stoffe, dazu viel Schwarz oder Weiß. Es soll urban sein, trendig, wuselig und irgendwie auch schick – der Trend für die Inneneinrichtung eines Cafés oder Hotels der heutigen Zeit spricht für sich. Aber spricht er auch #hygge ?

Während ich diesen Blogbericht schreibe, sitze ich gerade in einem schicken neuen und frisch renovierten Hotelcafé meiner Heimatstadt Herford. Es trifft genau die Beschreibung von eben: Mustertapeten, viel Schwarz, Jute-Kaffeebohnen-Säcke hängen an den Wänden und von meinem Platz aus kann ich die teilweise Open-Kitchen hervorragend beobachten. Ich mag dieses Café unglaublich gern, vor allem wegen der tollen Mitarbeiter und den köstlichen Leckereien. Und doch hat es mir vor der Renovierung ehrlich gesagt besser gefallen – was daran liegt, dass es da nur halb so groß und somit gemütlicher war. So geht es auch vielen Gästen, zumindest den Gesprächsfetzen nach zu urteilen, die selbst die Mitarbeiter teilen. Trotzdem waren die Renovierung und die Erweiterung für dieses Café absolut richtig, ein volles Café spricht schließlich für sich (für Blogger ist es ebenfalls das reinste Paradies an Inspirationen & Co.). Und wirtschaftlich müssen sich die hohen Renovierungskosten (nichts ist schädigender als Renovierungsstau) schließlich auch amortisieren – das geht eben am besten mit einer größeren Verkaufsfläche. ‚Hygge‘ bleibt da häufig ausgesperrt.

Doch was erwartet der Gast von einem Hotel oder Café? Die Basisleistung sollte natürlich stimmen und niemand hat etwas dagegen, erfrischendes Design zu erleben, welches funktionell und technisch gesehen auf dem Höchststand ist. Aber was ist mit dem feinen Gefühl des Wohlfühlens? Der Gemütlichkeit? Was ist mit ‚Hygge‘? Wir sind doch nicht in Dänemark! Aber warum sind die Dänen eigentlich aktuell (Stand 2017) die zweitglücklichsten Menschen (vgl. World Happiness Report) der Welt? (Platz 1 geht zurzeit übrigens an Norwegen, wo das Wort ‚Hygge‘ seinen Ursprung hat.)

Es gibt unzählige Antworten darauf. Nicht umsonst schreibt man den Dänen aber das Wort ‚Hygge‘ zu, was kurz übersetzt so viel wie Gemütlichkeit bedeutet. Doch ein Wort ist viel zu wenig für dieses Lebensgefühl, welches sich wie ein unsichtbarer Hauch auf alle schönen Dinge legt, die man zusammen mit der Familie und Freunden teilt. Es geht um Menschen, um Glück, um Gemeinschaft, um Kerzenschein und duftenden Tee sowie köstliches Essen. Es geht um die Ansprache der Sinne, um das Wohlbefinden des Körpers, es geht um das einfache Leben, an einem feinen Plätzchen mit lieben Menschen. Es geht um Geborgenheit, um die Aufmerksamkeit für die kleinen Dinge. Es geht um nichts und das ist das Schöne. Man darf so sein, wie man ist, und das ist authentisch.

Und daher besteht das Geheimnis einer wirklich guten Einrichtung darin, dass der kreative Kopf dahinter die Kunst von ‚Hygge‘ verinnerlicht hat. Es geht darum, eine Geschichte aus dem einfachen Leben zu erzählen, mit Einrichtungsstücken voller Leben, die brauchbar aufgearbeitet wurden. Eine Kerze ist jeder LED-Lampe vorzuziehen, auch wenn es unpraktischer ist. Eine frische Blume auf dem Tisch ist unerlässlich, auch wenn es kostspielig ist. Ein kleiner Raum ist hundertmal gemütlicher als ein großer Raum. Ein schönes Bild an der Wand wirkt so viel wohnlicher als eine nackte weiße oder schwarze Wand. Und Menschen, die ihren Job lieben, die wissen, dass man ein Lächeln niemals aufsetzen sollte, die sind die absolute Krönung eines hyggeligen Hotels oder Cafés, dort wo sich jeder Gast als VIP fühlt 🙂