Menschen & Glück

Mit 50 € um die Welt – Buchtipp

Die Sonne brannte, ich stellte mein Fahrrad am Straßenrand ab, schnappte das Buch vom Gepäckträger und nahm auf dem warmen Asphalt der Straße Platz. Nein, ich bin nicht Lebensmüde 😉

Es war die schmale Straße, die durch 2 Felder in meinen kleinen Heimatdorf führt und eine beliebte Fahrradstrecke ist, ab und an kommt auch mal ein Auto vorbei. Dieses feine Plätzchen hatte ich nicht zufällig gewählt, nein nein. Es schien mir der ideale Platz zu sein, um die letzten acht Seiten eines fantastischen Buches zu Ende zu lesen. Das Buch von Christopher Schacht – „Mit 50 € um die Welt“.

Monate zuvor lief es mir mehr oder weniger in einer kleinen Buchhandlung über den Weg, bzw. es war die Empfehlung einer Verkäuferin, als ich nach einem Reisebuch fragte. Glück muss der Mensch haben! Kennt Ihr das, wenn man ein Buch findet, von dem man schon nach ein paar Seiten weiß, es wird Dein Leben maßgeblich beeinflussen?

Kurz zum Buch: Der Titel lässt wahrscheinlich schon erahnen, worum es geht. Christopher Schacht ist gerade mal 19 Jahr alt, als er sich auf eine vier(!)-jährige Weltreise mit gerade mal 50 €, einem Rucksack und viel Optimismus aufmacht. Sein Ziel: einmal um die Welt – ohne Flugzeug. Und so führt ihn sein (unbequemer aber gradliniger) Weg über die Kanaren per Segelboot hinüber nach Südamerika, von dort aus per Boot nach Asien und von dort über Land durch den Nahen Osten wieder zurück in sein Heimatland Deutschland. Vier Jahre ohne Kreditkarte, ohne Hotel, ohne zu wissen, was morgen kommt und wohin ihn der Weg führt (schließlich war er auf unzählige fremde Leute angewiesen, die ihn mitnahmen). Dabei hat er so ziemlich jeden Job angenommen, Kulturen kennengelernt, Vorurteile verworfen, Sprachbarrieren überwunden, seine große Liebe getroffen und ist dem Tod mehrfach von der Schüppe gesprungen. Vor der Reise wollte er noch Informatik studieren – nach der Reise hat sich das Themengebiet leicht gewandelt – es ist nun Theologie geworden.

Meine Lieblingserkenntnis aus dem Buch:

(sinngemäß zitiert, Seite 159): Meistens glaubt man, dass man im Leben zunächst einmal selber glücklich sein muss, um dann anderen Menschen dazu verhelfen zukönnen. Aber genau umgedreht wird ein Schuh daraus: Dadurch, dass man anderen zuerst hilft, wird man selbst glücklich. Das musste ich erstmal sacken lassen. Aber ja – er hat Recht 🙂

Und mit dieser und vielen weiteren Erkenntnissen, sowie unzähligen Background Informationen zu den 45 bereisten Ländern von Christopher, sollte sich mein Weg ändern. Schritt für Schritt. Der Erste war, für 20 Minuten aus dem Leben aus- bzw. abzusteigen und sich einfach mit einem guten Buch an den Straßenrand zusetzen. Die neugierigen und schmunzelnden Blicke der anderen Radfahrer darf man einfach ignorieren bzw. zurücklächeln – „denn der Fremde wird fast immer Dein Freund sein“ (meine zweite Lieblingserkenntnis aus dem Buch) ❤