Menschen & Glück

Büchergespräche

Herford. Mittwoch Morgen. Eckplatz im Café. Nur ich und ein Buch. Und unzählige Menschen um uns herum.

Die Geräuschkulisse war laut. „Ein großer Cappuccino, ein frisch gepresster Orangensaft, ein doppelter Espresso“ – ein fertiges Getränk nach dem anderen wurde an der Theke zur Abholung aufgerufen. Menschen drängten sich durch das Café. Zeitungen wurden getauscht, Frühstücke serviert und der Duft von frisch gebackenem Kuchen lag in der Luft. Es war DIE perfekte Atmosphäre, um ungestört:-P in einem guten Buch zu versinken. Dachte ich.

Am 6er-Tisch neben mir nahmen nach und nach Gäste Platz – eine Dame hatte scheinbar Geburtstag und traf sich hier mit ihren Freunden. Die Gespräche begannen und ich versuchte, mich nicht von meinem Buch ablenken zu lassen. Zunächst erfolgreich. Doch wenn man ungestört an einem öffentlichen Platz ein Buch lesen will, sollte man einen vielleicht weniger bekannten/markanten Titel wählen….

„Oh, das Buch habe ich auch gelesen – harte Kost“. Ich blickte auf. Der ältere Herr am Tisch neben mir sah mich freundlich an und deutete auf das Buch – „aber packend geschrieben“. Ich nickte und wir unterhielten uns ein paar Minuten total nett über das Buch („Trümmerkind“ von Mechtild Borrmann) und sogar über die Zeit, in der das Buch spielt – Ende der 40er Jahre – Nachkriegszeit. Eine weitere Dame der Gruppe stieg ebenfalls in das Gespräch ein. Ich konnte den beiden sogar noch ein weiteres und ebenfalls großartiges Buch der Autorin empfehlen sowie zwei, drei andere Romane dieses Genres.

Einige Zeit später fand ich mich wieder ganz vertieft zurück im Buch. Ab und an schlürfte ich an meinem Tee und durchkämmt Seite für Seite. „Darf ich nochmal nach dem Titel fragen, den Sie eben noch empfehlen konnten?“ – der sympathische Herr der Gruppe blickte mich neugierig an. Ich grinste. Nachdem ich ihm einige Titel aufgeschrieben und einen Blick zur Uhr geworfen hatte, verabschiedete ich mich freundlich und wünschte der Gruppe noch einen schönen Vormittag. „Ihnen auch, vielen lieben Dank für die Empfehlungen und das gute Gespräch“ 🙂

Ein Lächeln lag auf meinem Gesicht, als ich das Café verlies. Ich hatte zwar nicht wirklich viele Kapitel an diesem Morgen geschafft, doch ich war tief berührt von dieser netten Begegnung. Davon, dass ein Buch Menschen jeglicher Altersschicht verbinden und ins Gespräch bringen kann. In ein Gespräch, welches nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern den Kern trifft, das, was Menschen bewegt.

Schon öfters habe ich Situationen erlebt, in denen man auf sein Buch in der Hand angesprochen wird. Meistens dann, wenn der Buchtitel und das Cover grausame Realität vermuten lässt (z.B. „die Hölle von Innen“ by Andrea C. Hoffmann) und man dieses Werk auch noch dort liest, wo andere Urlaub machen.

Aber egal welches Buch, welcher Ort, wie viele Seiten, welcher Bekanntheitsgrad, welcher Autor, welches Format und um wie viel Uhr. Das Schöne am Lesen ist, dass man seine Sinne schärft, in eine andere Welt eintaucht und (meistens) ganz bei sich selbst ist – vielleicht an einem feinen Plätzchen? 🙂