Menschen & Glück

Seifenblasenpost

Letzte Woche verstopfte ein dicker unförmiger Umschlag meinen Briefkasten. Das ist selten. Fünf Minuten später saß ich am Küchentisch, schmunzelte über den Absender und öffnete neugierig das kleine Päckchen in seiner undefinierbaren Form. Was war drin? Ein handschriftlicher Brief und 1x Seifenblasen, Ihr wisst schon, diese allseits bekannten bunten Röllchen aus der Kindheit 🙂 .

Was für eine tolle Geste einer noch tolleren Freundin, die diese Idee wiederum vor einiger Zeit beruflich aufschnappte. Jemanden ein kleines Päckchen/Brief zu senden, verbunden mit dem Gedanken, für einen Moment innezuhalten und sich ganz auf die Seifenblasen zu konzentrieren sowie auf den eigenen Atem. ‚Pausenpost‘, ja, so nennt sich diese Idee.

Nun könnte man meinen, dass sich gerade in der jetzigen Corona-Zeit die Sorgen und Ängste nicht einfach mit Seifenblasen wegpusten lassen. Das wäre schön….

Können Seifenblasen in einer Krise helfen?

Jeder der jetzt gleich NEIN schreit, hat erstmal recht. Zugegeben, im ersten Schock-Moment wäre ich auch weit entfernt davon, das zu behaupten. Militärkrise, Wirtschaftskrise, Umweltkrise, Gesundheitskrise, psychische Krise – es gibt da so einige. Nicht von allen Krisen auf dieser Welt ist man persönlich und unmittelbar betroffen. Im Laufe des Lebens durchlebt jeder Mensch seine ganz eigenen, persönlichen Lebenskrisen.

Man kann die besten Pläne in der Schublade haben, Plan A,B,C, einer wird schon greifen. Aber auf eine Krise kann man sich nicht wirklich vorbereiten. Plötzlich ist sie da.

Da verändert sich von jetzt auf gleich gefühlt Dein ganzes Leben und Du kannst nichts, absolut nichts dagegen tun, um das zu verhindern. UND meistens ist auch niemand schuld daran. Da ist niemand, den man verantwortlich machen kann. Niemand. Es gibt keinen „letzte-Aktion-rückgängig-machen-Buttom“, auch wenn man sich diesen Knopf noch so sehr herbei wünscht. Man will die neue Situation einfach nicht wahrhaben. Man weiß nicht, wie man damit leben soll. Nein, da können auch keine Seifenblasen helfen. Aber was hilft dann?

Menschen, feine Menschen, die einfach nur da sind. Egal ob physisch nah bei oder weit weg, aber in Gedanken da. Die nette Briefe per Post schicken. Die anderen Menschen zeigen, „DU bist nicht alleine“. Die Anteilnahme schenken. Die Dir geduldig die Hand hinhalten, bis Du es endlich schaffst, sie zu ergreifen (und das kann laaange dauern).

In der Corona-Krise sind wir Menschen trotz all dem Leid doch irgendwie auch beeindruckt: vom Zusammenrücken. Von der Hilfsbereitschaft. Vom Gemeinschaftsgefühl. Niemand hat sich diese Krise ausgesucht, betroffen sind wir alle (ok, manche Länder mehr, manche weniger). Umso wichtiger ist es, sich gegenseitig zu helfen. Jeden Tag liest man von so beeindruckenden Aktionen der Solidarität. Das ist einfach nur großartig ❤ . Natürlich lassen sich so die Existenzängste vieler Unternehmen nicht nehmen. Oft denke ich an die vielen feinen Plätzchen, deren Lebensträume am seidenen Faden hängen. Umso wichtiger ist es für uns Gäste, diese u.a. durch Gutscheinkäufe zu unterstützen.

Das „Gute“ an einer Krise: sie ist zeitlich begrenzt und irgendwann hat man sie überwunden (klingt jetzt einfacher, als es ist). Selbst wenn Geschäftsideen und Existenzen zwangsweise in der Krisenzeit gescheitert und wie Seifenblasen geplatzt sind, so kann dies auch die Chance für einen Neuanfang sein. In geänderter Richtung. Mit neuen Erkenntnissen. Inspirationen. Ideen. Mit anderen Sichtweisen. Neuem Mut. Und mit dem Vertrauen, dass das Leben immer irgendwie weiter geht und auch positive Überraschungen bereit halten wird.

Dieser neue Optimismus kommt zwar erst im Nachhinein, aber er kommt. Spätestens dann, wenn man sich die Zeit nimmt, um sich mit einem Röllchen Seifenblasen auf den Balkon zu stellen. Wenn man die schillernden Farben sieht und lächelt. Manche Blasen zerplatzen bereits an der Hauswand. Manch andere aber steigen weiter auf in den Himmel. In Richtung Sonne 🙂

#machenwirdasbestedraus #neverlosehope