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Verträumte Ruinen

Jedes feine Plätzchen hat eine Geschichte. Oftmals auch das Gebäude selbst. Einst waren es ehemalige Handwerksbetriebe, z.B. die ‚Alte Schreinerei‘ oder die ‚Alte Molkerei‘, oder es hatte eine ganz andere Nutzungsordnung als heute, z.B. ein altes Schmuckgeschäft. Manchmal waren es auch einfach verträumte Ruinen, die im Laufe der Jahre kaum mehr zu hoffen wagten, einen Besitzer zu finden, der sich in sie verliebt, ihren unglaublichen Charme spürt, sie vor seinem inneren Augen schon eingerichtet hat und es finanziell schafft, diesen Wunsch auch in die Tat umzusetzen.

Letzteres wird mir wahrscheinlich nie gelingen…. das denke ich mir jedes Mal, wenn ich mal wieder in der Mittagspause auf der Holzbank vor meiner ‚Lieblingsruine‘ sitze (siehe Titelbild) und mich in sie hinein träume. Man muss dazu sagen, dass sie in meiner Lieblingsstadt liegt, unweit eines kleinen Sees. Ihre Nachbarn sind alle samt stolze Villen, die in jeder erdenklichen Farbe in zarten Pastelltönen um die Wette funkeln und so manchen Spaziergänger staunen lassen.

Doch ‚meine‘ (reines Wunschdenken) verfallene Villa steht allein, gilt als Schandfleck der Straße und gammelt regelrecht vor sich hin. Seit vielen Jahren bereits. Früher diente sie als kleine Pension. Heute ist das Grundstück, auf dem sie steht, wahrscheinlich der einzige materielle Wert.

Doch der historische & persönliche Wert dürfte unermesslich sein.

Und genau darum geht es – je älter und verwinkelter das Gebäude ist, desto besser. Die lange Tradition verleiht erst den Rohschliff. Und die Restauration schließlich den Feinschliff 🙂

Wenn das Gebäude nicht zufällig vorher schon ein Hotel & Co. war, dürfte der Umbau zum Beherbergungsbetrieb bei sehr alten Häusern allerdings einige baurechtliche Hürden mit sich bringen, Stichwort: Denkmalschutz. Das eigene Badezimmer für jedes Zimmer kann damit schonmal auf der Kippe stehen, leider! Doch um diese Belange muss man sich dann eben mit dem zuständigen Bauamt kümmern, darin bin ich leider kein Experte.

Was die Inneneinrichtung betrifft: Sie muss natürlich zum Stil des Gebäudes passen. Stuck an den Wänden ist immer ein Klassiker. Der aktuelle Trend liebt freigelegte Backsteinwände und Fachwerkbalken – oh ja, das sieht wirklich klasse aus. Sehr kunstvoll sind dazu Mustertapeten (zumindest an einer Wand) und feine Gardinenstoffe. Je nach Fenstergröße gilt: Je kleiner die Fenster, umso heller sollte der Raum gehalten werden (durch Wandfarben, Gardinen, Möbel etc.). Auch dem Fußboden kommt eine hohe Bedeutung zu. Neu abgeschliffenen Holzdielen sehen traumhaft aus, allerdings kann das Knarren (zumindest bei sehr hellhörigen Wänden) schnell störend für andere Gäste werden.

Wenn es doch mit dem eigenen Badezimmer pro Zimmer klappt: Ja nicht die Lüftung aus den Augen verlieren! Leider hat man nicht immer die Möglichkeit, ein Tageslichtbad zu installieren. Hauptsache, man bringt irgendwie eine funktionierende Belüftung unter, sonst wird das frisch renovierte Bad im Laufe der Zeit schnell zur Schimmelfalle. Weitere Highlights im Bad: Viiiiel Abstellfläche (gerade auf dem Waschtisch), eine ebenerdige Dusche (ebenfalls mit Abstellflächen für Shampoo etc.), und möglichst eine Tür zum Zimmer (nicht, dass ein offenes Bad nicht schick wäre, aber in einem Doppelzimmer liebt dann doch jeder die sanitäre Privatsphäre ;-)).

Sollte man sich also für eine solche Ruine entscheiden und das Geld für die umfangreiche Sanierung dafür aufbringen können (vielleicht durch Lotto spielen? :-p), dann ist eines sicher: Die Nachbarschaft, vielleicht sogar die ganze Stadt wird voller Spannung die Verwandlung verfolgen. Man sollte als Besitzer sogar darüber nachdenken, diese fototechnisch festzuhalten, auch ein Video in Zeitraffer bietet sich an, um den Gästen in Spe die Geschichte von Anfang an erzählen zu können. Um sie mitzunehmen, an den Beginn eines Traumes, den man einst niemals für realisierbar gehalten hätte…

P.s.: Also liebe Freunde & Kollegen, wie war das doch gleich mit unserer Tipp-Gemeinschaft? Ein Modell aus kleinen Steinen steht immerhin schonmal – und ein Busniessplan befindet sich in den letzten Zügen – mis-en-place ist eben alles, man weiß ja nie 😉