Menschen & Glück · verzweifeln

besser, schneller, weiter

Wie viele Krankheitstage haben wir durchschnittlich pro Jahr? Gerundet zehn – sagt das Statistische Bundesamt. Die drei häufigsten Gründe? Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, des Atmungssystems sowie psychische Erkrankungen – sagt statista.com.

Ja, unser Körper lässt sich nicht so schnell austricksen. Er ist zwar äußerst belastbar, aber auch er hat seine Grenzen. Grenzen, die wir Menschen gern überschreiten möchten & vermeidlich müssen, um unseren Lebensstandard und den unserer Lieben zu sichern.

Schon von Kind auf lernen wir, fleißig zu sein. Uns anzustrengen – dann gibt´s auch eine Belohnung, z.B. für eine gute Zeugnisnote. Ja, das motiviert 🙂

In der Ausbildung oder im Studium lernen wir spätestens besser zu sein, besser als andere, nur die Besten werden anschließend übernommen oder bekommen rare und heiß begehrte Plätze für die weitere berufliche Karriere.

Im anschließenden Beruf geht´s dann hauptsächlich darum, schneller zu sein, schneller als der Mitbewerber, effizienter, leistungsstärker. Der Markt ist schließlich heiß umkämpft.

Und am Ende des Tages oder des Lebens (was manchmal schneller kommt, als gedacht, z.B. noch vor Renteneintritt) ziehen wir dann Bilanz und sind stolz auf uns, dass wir so schön durchgehalten haben. Fein gemacht. Hauptsache man durfte sich vollwertiges Mitglied unserer Leistungsgesellschaft nennen.

Ist das zu gesellschaftskritisch?

Ich persönlich glaube, das kann man sich gar nicht oft genug vor Augen führen oder sich zumindest ab und an mal daran erinnern.

Solange man jung ist, hat man Power. Man meint, die Bäume wachsen in den Himmel, man schafft es, Tag und Nacht 100 % zu geben und das Leben voll im Griff zu haben. Es planen zu können. Unbesiegbar zu sein. Sind die anderen ja schließlich auch. Oder scheinbar?

Wenn jemand beispielsweise wegen Burnout oder Depressionen krankgeschrieben wird, so kann er sich darauf einstellen, dass er von manchen auch belächelt wird. Für nicht-belastbar gehalten wird. Was dieser Mensch allerdings bis zu dieser Diagnose schon alles hinter sich, fragen sich bestimmt die wenigsten. Unser Körper reagiert auch vorher schon durch Warnsignale. Rückenschmerzen stehen dabei ganz oben. Oder permanente Kopfschmerzen. Müdigkeit, Schlafstörungen, etc. (vgl. Apothekenumschau). Übrigens nicht nur bei oben genannter Diagnose, sondern bei vielen anderen Krankheitsbildern auch. Würden wir mehr auf unseren Körper hören und uns proaktiv kümmern, dann hätten wir bestimmt gute Chancen, das Schlimmste zu vermeiden. Aber wer macht das schon? Wer kann sich das leisten? In einer Leistungsgesellschaft….

Über Krankheiten spricht man selten. Sie sind zu privat. Man will nicht als schwach da stehen, als (psychisch) instabil. Als 2. Klasse. Als angreifbar. Würden mehr Menschen darüber sprechen, dann wäre es für alle Betroffenen leichter. Sie würden sich nicht isolieren und versuchen, alles mit sich selbst auszumachen. Sie würden auch nicht auf Biegen und Brechen versuchen, durchzuhalten. Die heile Welt vorzugeben. Den schönen Schein zu wahren. Nein. Sie würden frühzeitig! zu sich stehen, das Leben annehmen, wie es ist, und ihren ganz persönlichen Weg mutig gehen. Niemanden steht darüber ein Urteil zu! Man darf nie vergessen, dass jeder Mensch anders gestrickt ist, eine ganz individuelle Vorgeschichte hat, die ihn prägt. Was derjenige daraus macht, muss er für sich selbst entscheiden. So lange es ihm gut tut und niemanden anderen verletzt, ist nichts daran zu bewerten.

P.s.: manchmal kann es einfach schon helfen, früh genug einen Gang runterzufahren.