Menschen & Glück, verzweifeln

Hilfe annehmen

Das klingt eigentlich ganz einfach, oder? Wäre das nicht unser Stolz…. dieser blöde Typ.

Als Hotelmitarbeiter lernte ich einst: man fragt NICHT „kann ich Ihnen helfen?“, sondern: „darf ich Ihnen behilflich sein?“. Hä? Wo ist denn da der Unterschied? Das ging mir lange nicht in den Kopf 😉 . Helfen ist helfen oder nicht? Was ist schon dabei? ‚Behilflich sein‘ soll wohl weniger Hilfsbedürftigkeit suggerieren. Aha. Na dann.

So denkt man vielleicht als junger Mensch. So mit Anfang 20. Wo man sich noch weniger Gedanken um den eigenen Stolz macht. Doch das kann sich schnell ändern. Leider. Im Laufe der Zeit erreicht man immer mehr, professionalisiert sich, sein Können, sein Wissen, seinen Alltag. Alles scheint machbar, planbar. Immer her damit „immer noch ne‘ Schippe drauf“ (wie Max Giesinger im Lied ‚Zuhause‘ singt). Man meint, alles zu schaffen, gerade als Frau.

„Andere schaffen das doch auch“

Dieser sch*** Spruch schwirrt uns so häufig durch den Kopf. Zumindest geht es mir so. Ob selbst eingepflanzt oder durch andere – wenn er erstmal drin ist, bleibt er auch. Was er anrichtet? Er lässt unsere müden Hamsterbeine immer schneller und schneller laufen. Bis sie stolpern. Bis man fällt. Bis man Hilfe braucht. Oder eigentlich dringend bräuchte, sich das aber immer noch nicht eingestehen kann 😦 . Hauptsache es hat keiner mitbekommen, dann wäre der Stolz ja auch noch dahin. Aber an den klammert man sich gern bis zum Schluss. Dieser vermeintlich wichtige Typ. Was ich damit sagen will:

Hilfe frühzeitig! annehmen kann so viele Tränen verhindern.

Ich persönlich habe diese Erfahrung als Mama im ersten Jahr schmerzlich gemacht. In der Schwangerschaft ließt man immer davon, dass man sich bloß um Hilfe kümmern soll. Meine Gedanken: „Ja, ja, wenn´s soweit ist. Mache ich schon. Bin ja nicht alleine. Andere schaffen das ja auch“. Ha, da war er wieder – dieser sch*** Spruch. Und was hat Wippi natürlich NICHT gemacht?…. Ich wollte es mir schließlich nicht mit meinem Stolz verscherzen 😉 . Nein, Spaß beiseite.

Wenn du vor lauter Schlafmangel und (dauerhaften) Schlafstörungen nicht mehr weißt, wo oben und unten ist, wenn dein Nerven stündlich reißen, wenn du unausstehlich wirst, wenn du deine Liebsten nur noch anblaffst und wegstößt, wenn du nur noch Wut empfindest und nicht mehr geradeaus denken oder gehen kannst – dann ist es schon viel zu spät. Da rettet dich auch kein Stolz mehr….

Da kann man froh sein, liebe Menschen um sich zu haben, die nicht müde werden, ihre Hilfe anzubieten. Und in einem lichten Moment ergreift man dann endlich dieses Angebot und merkt, wie unendlich gut das tut. Dass man wieder Kraft tanken kann, selbst wenn es nur ein bisschen ist. Aber die Regelmäßigkeit macht´s. Dass man das Mamasein endlich genießen kann. Dass man wieder leben kann. Und dass man ein eitler Vogel ist/war.

Vorallem ist überhaupt nichts dabei, Hilfe anzunehmen oder darum zu bitten. Im Gegenteil. Andere Menschen helfen sogar gern und freuen sich, etwas Gutes zu tun. Und was sagt der eigene Stolz dazu? „Berichte doch davon, dann wäre ich stolz auf Dich“ 😉 . Du komischer Typ, Du!