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Time is honey – Buchtipp

Wie schnell die Zeit doch vergeht. Jedes Jahr schneller. Klar, natürlich nur gefühlt. Als Kind freute man sich noch darüber, als Erwachsener fühlt man sich förmlich überrannt. Egal wen man fragt, fast jedem Menschen geht es genau so. Zumindest im mittleren Alter, sagen wir grob zwischen 25 und 55. Die Rush Hour des Lebens lässt grüßen.

Meine Lösung im „Zeitproblem“ sah bisher so aus, dass ich der festen Überzeugung war, alles nur irgendwie schneller zu erledigen bzw. noch besser durchplanen zu müssen. Hat so mittel geklappt. Kennt Ihr das?

Per Zufall sollte mir dieses Buch „Time is honey“ in die Hände fallen. Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einem weiteren Buch zum Thema Nachhaltigkeit. Doch dieses Schätzchen hier hat ausnahmsweise gar nichts mit Nachhaltigkeit zu tun. Oder doch? Zeit & Nachhaltigkeit? Dazu am Ende des Artikels noch ein paar Ideen von mir. Aber nun erstmal zum Inhalt und den Kernthemen des Buches:

„Wir haben nicht zu wenig Zeit, wir haben zu viel zu tun.“

by Karlheinz A. und Jonas Geissler

Mit diesem Zitat treffen die Autoren den Nagel direkt auf den Kopf. Im Laufe der letzten Jahrhunderte haben wir immer mehr (theoretisch) frei verfügbare Zeit (also weniger Arbeitszeit) bekommen. Wir haben aber auch gleichzeitig immer mehr Möglichkeiten geschaffen, diese freie Zeit gleich wieder auszufüllen und zuverplanen. Zeitmanagement war und ist es heute noch das Zauberwort. Leider. Zeitverdichtung. Alles besser und knapper planen, dann kriegt man schon alles unter.

Die Folge daraus: die eigenen Bedürfnisse nach Zeit für sich selbst und zur freien Gestaltung stellt man hinten an. Die Unzufriedenheit und das Stressempfinden steigen (natürlich je nach Typ) und manchmal neigt man sogar dazu, anderen die Schuld an dieser Misere zu geben.

Die Autoren weisen darauf hin, dass es neben der Uhrzeit auch eine Naturzeit gibt. Einen gewissen Rhythmus, den wir Menschen aber durch die Erfindung der Uhr eher in einen Takt verwandelt haben, sehr zulasten unseres Körpers. Müdigkeit und der Bedarf einer Pause werden kaum wahrgenommen. Time im money….

Und wie kommt man nun von money zu honey?

Eigentlich sogar ganz einfach. Indem man die tägliche Zeit mehr genießt = Zeitqualität. Das funktioniert sicher nicht bei jeder Tätigkeit, obwohl auch hier meist die persönliche Einstellung zur Sache eine entscheidende Rolle spielt. Denn meistens hat man sogar eine Wahl (auch ein nicht erfüllender Job lässt sich wechseln). Die Autoren empfehlen, erstmal für sich zu definieren, welche Zeitarten einem persönlich wichtig sind. Manche Menschen sind gern für sich allein (da zähle ich mich auch zu), andere lieben die Gesellschaft. Plant diese Zeit fest ein, sie ist nicht verhandelbar. Ach ja, ein sehr cooler Tipp: anstatt einer To-do-List sollte man lieber mal eine Let-it-be-List erstellen, manche Dinge erledigen sich auch von allein 🙂 .

Was ich persönlich für mich mitgenommen habe? Richtig priorisieren, also First-Things-First. Ja, das klingt so einfach und wusste ich natürlich auch vorher schon, aber bisher habe ich es nie geschafft. Seit ich das Buch beendet habe, ist es mir tatsächlich schon häufiger gelungen und ich arbeite weiter daran. Außerdem versuche ich, über den Tag verteilt immer wieder kurze Pausen einzulegen, und wenn es nur 5 Minuten sind. Zusätzlich helfen Rituale, sowohl zu Beginn des Tages, als auch zum Ende (letzteres war mir auch neu).

Das Buch hat mir also sehr geholfen, die Zeit aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Dinge anzunehmen, die eh nicht (von mir) zu ändern sind. Den Moment viel mehr zu genießen, weniger und wenn überhaupt großzügiger zu planen und jeden Morgen dankbar zu sein über 24 neue Stunden, die vor einem liegen. Vielen Dank liebe Herren Geissler, dass Sie so viel Zeit & Leidenschaft in dieses Buch investiert haben.

P.s.:

Zeit & Nachhaltigkeit? Geht das zusammen? Oh ja, und das in mehreren Hinsichten:

Zum einen braucht man eine gewisse Zeit, um in das Thema einzusteigen bzw. erstmal etwas für sich selbst zu recherchieren. Schnell merkt man, wie umfangreich Nachhaltigkeit ist und schon stellt man sich die Frage, ob man weiter „Zeit investiert“ oder seine knappe Zeit anderen, scheinbar dringenderen Themen widmet, die man gerade auf dem Zettel hat. Eine nachvollziehbare Frage. Auch in der Wirtschaft werden häufig kurzfristige Entscheidungen getroffen bzw. Investitionen getätigt, die sich schnell amortisieren (Return on Investment), anstatt sein Business langfristig auszurichten.

Zum anderen hat das persönliche Zeitempfinden, also die Balance aus verschiedenen Zeitarten (die Autoren Geissler führen im Buch fünf Arten an: Organisationszeit, Sozialzeit, Aufgabenzeit, Naturzeit, Eigenzeiten) einen großen Einfluss auf unsere persönliche Zufriedenheit und dauerhaft auch auf unsere Gesundheit. Die Dimension der sozialen Nachhaltigkeit (mein persönliches Lieblingsthema) greift u.a. dieses Zeitempfinden auf. Arbeiten unter permanenten Zeitdruck (dank Fachkräftemangel) schadet nicht nur dem Betriebsklima, sondern auch der Gesundheit. Ausfallzeiten häufen sich. Was können Unternehmen präventiv tun? Ein Thema ist das betriebliche Gesundheitsmanagement. Da passiert zum Glück schon einiges. Wie wäre es darüber hinaus mit betrieblicher Persönlichkeitsentwicklung? Und zwar individuell für alle, je nach Wunsch & Interesse des Mitarbeiters. Woher die Zeit nehmen? Da sind wir wieder beim Thema 😉 .

Aber mit diesen spannenden Fragen werde ich mich bald öfter beschäftigen. Gern mit Euch gemeinsam. In vier Wochen erfahrt Ihr mehr dazu.