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Café Sherlock – Hillesheim

In meinem Kopf spielte noch die bekannte Miss-Marple-Melodie, während ich an dem Cafétisch im „Orient Express“ Platz nahm, die Karte betrachtete und mich sofort für „Miss Marple´s Cream Tea“ entschied. Oder hätte ich doch lieber den „Schwarzer Tod“ Espresso nehmen sollen? 😉 Ich schmunzelte, packte mein Agatha Christie Buch aus und wollte gerade genussvoll anfangen, darin zu lesen, als sich am Tisch neben uns zwei ältere Damen niederließen. Eine davon hätte Miss Marple selbst sein können, ihre ganze Erscheinung und ihre Art der Unterhaltung mit ihrer Freundin erinnerten an die beliebte Crime Lady.

Eigentlich hätten die beiden ja am Miss-Marple-Tisch Platz nehmen müssen, der, unter einer großen Glasplatte in der Tischmitte, so allerlei Requisiten der bekannten Agatha Christie Reihe zeigt (wie z.B. eine Karte von St. Mary Mead oder den Schlüssel von Bertram´s Hotel). Und noch viele weitere dieser unzähligen Details verteilen sich im gesamten Cafébereich, sodass man sich als Gast in einer fantastischen Krimiwelt mit allen berühmten Persönlichkeiten wiederfindet. Ob Sherlock Holmes als lebensgroße Puppe, die Kanzel von Pater Brown oder die Nachbildung des Gasthauses an der Themse – Deutschlands ältestes Krimicafé könnte kaum originalgetreuer eingerichtet sein.

Wer dieses besondere feine Plätzchen erschaffen hat? Dazu sollte man erstmal wissen, dass das Krimicafé Sherlock in einem ganzen Krimihaus! liegt, welches neben dem Café im Erdgeschoss noch über einen grünen (Raucher-) Salon in der 1. Etage sowie dem dort angrenzenden Antiquariat verfügt.

Doch das Beste kommt ja erst noch im Dachgeschoss: das Deutsche Krimiarchiv, welches eine unglaubliche Sammlung von 30.000 Krimibüchern umfasst, die vor Ort in gemütlichen Sesseln gelesen werden dürfen. Staunend und mit offenem Mund durchquerte ich die einzelnen Meter hohen Regalreihen, auf so etwas war ich gar nicht gefasst – einfach unglaublich (jede Etage ist übrigens per Fahrstuhl zu erreichen und somit barrierefrei).

Und wenn man dann noch nicht genug gesehen hat, sollte man sich noch eine kleine Wendeltreppe höher in die Dachbodenspitze begeben, wo 70 internationale Krimispiele auf ihre Fans warten. Eigentlich möchte man sich sofort für eine Nacht hier einschließen lassen. Doch aufgepasst, nicht dass am nächsten Morgen noch jemand einen Mordfall lösen muss 😛 Auch DAS wird übrigens angeboten – direkt neben dem Krimiarchiv gibt es einen konstruierten Mordschauplatz, den man in einigen Stunden mit einer Krimiakte und guten Freunden lösen sollte.

Nun aber zurück zu den Erfindern dieser einzigartigen und zugegebenermaßen etwas verrückten Krimiwelt: ich hatte das Glück, sie beide in ihrer angrenzenden kleinen Buchhandlung zu treffen, die direkt mit dem Café Sherlock verbunden ist. Monika und Ralf Kramp betreiben das Kriminalhaus, welches dank ihrer faszinierenden Leidenschaft kaum authentischer sein könnte, nun schon seit 10 Jahren. Und noch heute sieht man ihnen das Glück an, wenn sie von ihrem Lebenstraum berichten und sich freuen, wie sehr ihre Gäste davon begeistert sind.

„Eigentlich ziemlich bekloppt“ charakterisiert Monika dieses außergewöhnliche Hobby, welches sie zusammen mit ihrem Mann mit so viel Leben und unzähligen Details aus der Kriminalgeschichte gefüllt hat. (Überraschenderweise schreibt Ralf Kramp selbst Krimiromane und organisiert mit seiner Agentur „Blutspur“ diverse Krimi-Events, wie den Krimi-Tag oder sogar ein ganzes Krimi-Wochenende im Heimatland des Krimis: Groß Britannien).

Ich schüttelte mit dem Kopf und lachte „nein, nein, das ist nicht bekloppt, das ist das Beste, was Sie machen konnten – Ihre mitreißende Begeisterung mit anderen Menschen zu teilen“. Das Glück findet sich also auch in Krimicafés, aus denen man meistens heile wieder raus kommt :-P.

P.s.: und wer immer noch nicht genug hat, der sollte sich im fußläufig entfernten Krimihotel einquartieren. „Mord im Krimihotel“ liegt zumindest schon auf meinem Nachtisch, der gut sortierten Buchhandlung von Familie Kramp sei Dank.

http://www.kriminalhaus.de/