Menschen & Glück

Der Morgen ansich

Franzose müsste man sein… Sie zelebrieren den Start in den Tag ganz luftig mit ihren weltbesten Croissants, einem schönen Café au Lait und einer Zeitung unter dem Arm, die sie genüsslich mit ihrem Frühstück in einem der unzähligen Straßencafés verzehren. Danach geht´s schnell zur Arbeit. Ah – la vie est belle, n’est-ce pas? 🙂

Komisch, aber irgendwie geht mir dieses französische Flair nicht aus dem Kopf, wenn ich an den Morgen ansich denke. An einen Morgen im Sommer, der früh beginnt, mit Morgentau, hellsten Sonnenstrahlen, dünnen Bettlaken und dem guten Gefühl, heute frei zu haben (oder erst später arbeiten zu müssen). Genüsslich dreht man sich nochmal um, man hat Zeit, kein Wecker, der klingelt, sondern nur die innere Uhr und ein Magen, der auf halb acht hängt….

Manchmal lohnt es sich aber auch, früher aufzustehen (sehr viel früher), vor allen anderen, um die langsam erwachende Stadt zu beobachten. Wie die Morgenkühle die Wohnung durchflutet, die Straßen noch leer sind und die Sonne langsam hinter dem Horizont hervorlugt. Die letzten Straßenreiniger beenden gerade ihre Arbeit, die Marktbeschicker bauen fleißig ihre Stände auf und die Bäcker stellen ihre Stühle raus. Man grüßt sich – es sind nur wenige Menschen so früh auf den Straßen unterwegs. Noch tanzt die Melodie piano – an diesem Morgen… im Sommer.

Man schlendert über den Markt, die ersten Stände sind schon bereit, verzaubern mit frischem Obst & Gemüse, duftenden Blumen, selbsthergestellten Honig und Wurstwaren. Noch ist Zeit für einen kleinen Plausch 🙂 Nach einer Runde erinnert man sich wieder an den knurrenden Magen, wie gut, dass der nächste Bäcker nicht weit ist. „Ein Croissant und ein Café au Lait – und bitte eine Tageszeitung“. Man nimmt vorm Café Platz, eine ausliegende Decke locker über die Beine gelegt – die Morgenkühle lässt grüßen. Der Kaffee duftet, das Croissant ist so zart, sodass es fast beim bloßen Anblick zerfällt und die Titelthemen der Tageszeitung reiben auf. Doch das Gefühl, dieses unbeschreibliche Gefühl von Leichtigkeit, von Freiheit und Sommerfrische bleibt einfach da. Und breitet sich im ganzen Körper aus.

Anschließend zieht man weiter, vorbei an einem kleinen Blumengeschäft – der Händler winkt einem schon freudig zu – man kennt sich. Ein paar Häuser weiter wartet bereits ein kleines, feines Teegeschäft. Man wählt ein Geschenk für einen lieben Freund, duftet die neuste Mischung und wünscht der Mitarbeiterin einen schönen Start in den Tag – man kennt sich. Danach schlendert man weiter, ohne Ziel, einfach nur, um den Duft der Fußgängerzone aufzunehmen.

Man durchquert einen Park, er ist übersät mit bunten Blumen und die Vögel plappern in den hellsten Tönen. Eine Bank wartet schon, nur für einen kurzen Stop. Nur fünf Minuten Lebenszeit. Man beobachtet den alten Herrn eine Bank weiter, der gebeugt vom Leben seine Zeitung liest. Doch er lächelt. Möge es für ihn ein guter Tag werden, denkt man sich und zieht weiter.

Zwei Stunden sind vergangen, gefühlt war es ein halbes Leben 🙂 Zuhause angekommen, setzt man sich auf die nun sonnigen Treppenstufen und genießt das Gefühl, an einem einzigen Morgen so viel Positives erlebt zu haben. Man fühlt das Lächeln auf dem Gesicht, ein schönes Lächeln, eines, welches man fast vergessen hatte. Dem Morgen sei Dank – merci ❤