Menschen & Glück

spielen, spielen, spielen

„Wippi, Du willst doch jetzt nicht ernsthaft hier ein Kartenspiel auspacken?“ Doch, Wippi wollte 😛

Warum eigentlich auch nicht? Ja ok, ich gebe zu, man könnte in einem Restaurant auf andere Ideen kommen, als an ein Match zu denken… Und so saßen wir drei Mädels schließlich zwei Stunden lang in einem portugiesischen Straßencafé mitten in Lissabon, tranken ein Gläschen Portwein und „zockten“ Mau-Mau – das einzige Spiel (neben Black Jack), welches uns spontan einfiel und was wir alle aus dem ff konnten. Dass wir den größten Spaß hatten, ebenso schmunzelnde Gesichter an den Nebentischen und einen mittlerweile leicht genervten aber sehr tapfereren Kellner, muss ich wohl nicht extra erwähnen, oder? Es war einfach zu köstlich.

Mit jeder Sieben, die auf eine andere folgte, kochten die Emotionen höher und wir drei hatten schon bald Tränen in den Augen vor Lachen. Glück kann so wunderbar lustig und erfrischend sein. Manchmal braucht man einfach nur ein simples Spiel dafür, um sich mal wieder darüber klar zu werden. Um den Alltag mit allen Sorgen und To-Do´s zu vergessen. Um sich mal wieder federleicht wie ein Kind zu fühlen. Ob es sich nun um ein Karten-, Brett-, oder Live-Spiel (z.B. Escape Room) handelt – eines haben alle gemeinsam:  sie bringen unterschiedlichste Menschen an einen Tisch (oder in einen Raum) und schaffen es dadurch, so manche Kommunikationsbarriere zu überwinden. Denn bei diesen Spielen sind erstmal alle gleich.

Ob als Einzelkämpfer oder im Team, ob Strategie- oder Aktivitätsspiele – zeigt mir den Menschen, der nicht gerne spielt (ja, es dürfen meinetwegen auch Computerspiele sein ;-)). Als Kind gehörte es für uns zum Leben wie Schokotorte zum Geburtstag. Ja ok, da hatte man ja auch noch genug Zeit dafür.

Doch, wenn man sich so umschaut (z.B. auf der jährlichen Spielemesse in Essen Ende Oktober, die mit über 170.000 Besuchern an vier Messetagen und jährlich wachsenden Zahlen voll im Trend liegt), ist man doch recht positiv überrascht, wie viel Erwachsene mit glänzenden Augen über diese Messe laufen, um anschließend vollgestopfte Tüten mit neuen Spielen nach Hause zu tragen. Unglaublich. Seit vier Jahren lasse ich mir dieses Spektakel auch nicht mehr entgehen. Das Tolle ist, dass man an den unzähligen Ständen viele Spiele direkt austesten kann (wenn man dann das Glück hat, einen Platz zu ergattern) und so kommt man oft mit wildfremden Menschen an ein Spielbrett und spielt. Und lacht. Und quatscht.

Spielen verbindet Menschen seit jeher, nicht um sonst heißen sie ja auch Gesellschaftsspiele und für jedes Alter ist eine riesen Auswahl vorhanden, die jährlich rasant wächst. Auch wenn man meistens gegeneinander spielt, zeigt sich persönliche Stärke häufig darin, dass man dem anderen auch mal einen Tipp gibt (zumindest, wenn er so ganz auf dem Holzweg ist), dass man fair spielt und dass man den anderen nicht voller Schadenfreude erbarmungslos abzieht (außer natürlich bei Mensch-Ärger-Dich-nicht 😛 ). Dass wir gewinnen wollen, ist uns anerzogen, aber hoffentlich nicht um jeden Preis. „Beim Spiel kann man einen Mensch in einer Stunde besser kennen lernen als im Gespräch in einem Jahr“ (Plato). Gibt’s es sowas eigentlich auch bei Bewerbungsgesprächen? Denn wie oft liegen Spiel und Realität dicht beieinander?

Wie auch immer, mir bleibt nur jedem Mensch zu wünschen, dass er niemals das Kind in sich loslässt und somit vergisst, wie gut sich ausgelassenes Spielen anfühlen kann. Wie man stundenlang mit netten Menschen zusammensitz und sich durch gefühlte 5-Meter lange Anleitungen durchkämmt um am Ende dann doch so zuspielen, wie man lustig ist. Wie man ungesunde Leckereien dabei knabbert und „Fruchtsäfte“ schlürft. Wie es sich anfühlt, über das Material eines Spielbrettes zu fühlen, welches aufwendig und mit viel Liebe gestaltet wurde. Wie man nach einer verlorenen Partie wütend das Spielbrett vom Tisch fegt und anschließend wieder alle Einzelteile lachend aufsammelt. Wie man die schrägsten Verrenkungen macht, um beim Activity bloß nicht als Erster umzufallen. Wie man Hände und Füße beim Tabu benutzt und die abenteuerlichsten Gedankensprünge dabei macht. Wie man über seine eigene Dummheit lachen muss und über den Ärger der anderen. Spiele, lebe, lache.

P.s. das Titelbild oben zeigt übrigens das Spiel „Hotel“, ein Klassiker von 1974, welches meine Mädels mir vor einigen Jahren mal zum Geburtstag schenkten – dass ich damit nicht schon auf die Welt gekommen bin, hat mich selbst gewundert 😉