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Arbeitszeit-Debatte Gastgewerbe

 

Österreich. 60 Wochenarbeitsstunden in Ausnahmefällen mit einer Höchstarbeitszeit von bis zu 12 Stunden am Tag. Die Hoteliers in Österreich freuen sich. Ihre Gäste bestimmt auch. Und was ist mit den Mitarbeitern? Können sich diese vor Begeisterung auch kaum noch auf den Plätzen halten? Oder liebäugelt der ein oder andere vielleicht doch schon mit einem Wechsel in eine andere Branche, die es hinkriegt, mit der bisherigen gesetzlichen Arbeitszeitregelung auszukommen?

In Deutschland blicken schon viele Gastronomen und Hoteliers neidisch zu den Österreichern mit ihrer flexibleren Arbeitszeitregelung herüber. Endlich wieder sorgenfrei große Veranstaltungen durchführen, die bisher mit der Tageshöchstarbeitszeit von maximal 10 Stunden personaltechnisch ziemlich angezählt waren (es sei denn, man hat die Mitarbeiter zu unterschiedlichen Zeiten anfangen lassen). Diese Sorge ist sicherlich verständlich, geht es doch um die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes.

Doch um überhaupt etwas zu erwirtschaften, braucht ein Betrieb erstmal sein wichtigstes Kapital – und das sind die Mitarbeiter! Und was fällt sogar einem Laien ein, der die Wörter „Gastgewerbe“ und „Personal“ hört? Richtig – der Fachkräftemangel. Tendenz steigend. Wenn man sich mal kurz überlegt, warum und wieso es diesen eigentlich gibt, muss man nicht lange suchen: Arbeitszeit und Bezahlung sind die größten und einflussreichsten Faktoren des Fachkräftemangels. Und die junge Y-Generation befasst sich heute mehr denn je mit „Work-Life-Balance“.

Lange Zeit habe ich immer gedacht, dass daher alle Mitarbeiter der Gastro- und Hotelbranche GEGEN die in der Diskussion stehende Flexibilisierung der Arbeitszeit (=Einführung einer Wochenarbeitszeit z.B. bis zu 60 Stunden) sind. Doch vielfältige Gespräche mit Kollegen haben mir eins gezeigt: es gibt durchaus unterschiedliche Ansichten zu dieser Debatte. Meine eine Kollegin erklärte mir neulich noch, sie wäre sogar dankbar für die Einführung eine Wochenarbeitszeit, sodass sie an manchen Tagen eben viele Stunden „reißen“ kann (bis zu 12 Stunden), um dann an anderen Tagen mehr freizuhaben, oder sogar einen ganzen Tag pro Woche zusätzlich freizuhaben.

Ich gebe zu, das klingt ja erstmal verlockend, sofern man dann an diesen langen Tagen mit 12 Stunden auch gesundheitlich durchhält (ja, ich weiß, es gibt in anderen Branchen viel längere Schichten mit beispielsweise 24 Stunden, wovor ich jeden Tag auf´s Neue meinen Hut ziehe). Die Diskussion darum in Deutschland bleibt also spannend und beide Seiten (DEHOGA vs. NGG) werden sich hoffentlich auf einen Mittelweg einigen.

Denn dieser ist meiner Ansicht nach die einzige Lösung. Jeder Arbeitnehmer sollte die freie Wahl haben, ob er lieber einen Vertrag mit einer flexiblen Wochenarbeitszeit oder wie bisher mit einer Tageshöchstarbeitszeit haben möchte. Dann könnte dieses Thema sogar eine echte Chance für das Gastgewerbe sein. Andernfalls, sollte sich die Politik irgendwann doch zu einer kompletten Umstellung auf die (für alle verpflichtende) Wochenarbeitszeit hinreißen lassen, wird man wahrscheinlich bald nicht mehr nur noch von einem Fachkräftemangel, sondern von einer ganzen Fachkräfteflucht aus der Hotellerie und Gastronomie sprechen.