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(Hotel-) Betriebswirt – sinnvoll?

YES 🙂 (aber hier nur meine Sicht …)

Du hast Deine abgeschlossene Ausbildung im Gastgewerbe in der Tasche, mindestens ein Jahr Berufserfahrung und bist hungrig? Nach neuem Fachwissen? Nach einem Karriere-Kick? Mehr Gehalt? Oder nach Menschen, die so ticken wie Du und zu echten Freunden werden? Nach der geilsten Zeit?

Stop – nicht alles aufeinmal. Es kommt ganz auf Dich selbst an. Bist du ein ‚Lerner‘ oder ein ‚Macher‘? NUR um die Karriereleiter hochzuklettern & mehr Geld zu verdienen, muss man nicht unbedingt studieren – mit viel Fleiß und Berufserfahrung schafft man das auch so! Schaden tut es natürlich nicht 😉 Und dann ist da ja noch die Sache mit dem ‚Wissen‘. Es fördert Deine kleinen grauen Zellen. Niemand kann es Dir nehmen. Und wenn Du eines Tages mal Deinen eigenen Betrieb aufmachen willst, solltest Du als Chef schon wissen, wo der Frosch die Locken hat :-p

Wenn Du dich für eine Weiterbildung (in diesem Fall zum „staatlich geprüften Betriebswirt“ (Fachrichtung Hotellerie und Gastronomie) –> Bachelor Niveau) entschieden hast, stellt sich zunächst eine Frage: Vollzeit (4 Semester) oder berufsbegleitend? Diese Frage ist mit Sicherheit geschmacks- und vielleicht auch ein bisschen altersabhängig. Mein Favorit (ich war damals 23 Jahre) war das Vollzeitstudium an einer Hotelfachschule – im Nachhinein ein echter Glückstreffer (dazu muss ich fairerweise sagen, dass mich erst ein Stipendium an diese private Fachschule in NRW geführt hat). Ein Fernstudium wäre aber damals auch nicht für mich in Frage gekommen (heute, mit Anfang 30 und mitten im Job sähe das anders aus).

Eben angeschnitten, kommen wir nun direkt zu den Kosten einer Weiterbildung zum Betriebswirt. Eine staatliche Fachschule erhebt keine Studiengebühren, dafür fallen natürlich Kosten für Lernmaterialien, Unterbringung und Verpflegung an. Nicht zu unterschätzen (vor allem, da man ja in der Zeit wenn überhaupt nur ein geringes Einkommen, z.B. durch einen Aushilfsjob hat). Eine private Fachschule hingegen wird Studiengebühren verlangen (diese liegen ca. bei 1.000 € pro Semester, können aber auch deutlich höher ausfallen). Dazu kommen natürlich auch noch die oben bereits genannten Posten wie Lernmaterialien etc.. Fernstudienlehrgänge an privaten Fachschulen sind ebenfalls mit Studiengebühren verbunden (ca. 150 € pro Monat, bei mindestens 18 Monaten, dafür entfällt natürlich die wohnortferne Unterbringung / Verpflegung und man verdient nebenbei normal weiter, wenn man im Job verbleibt). Also alles eine Geschmacksfrage. Ein kleiner Zusatz von mir: die Kontakte, die man über zwei Jahre Vollzeit an einer Hotelfachschule live vor Ort aufbaut, sind unbezahlbar ❤

Welches Wissen eignet man sich denn überhaupt an? Eins vorab: nicht nur die Hard Skills! Zu diesen gelangt man durch Fächer wie: Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre, Rechnungswesen, Mathe & Statistik, Personalmanagement, Wirtschafts- und Arbeitsrecht, Kommunikation, Steuerlehre, Englisch, Marketing, EDV, und weitere. Man fühlt sich ein bisschen wie zur Schulzeit mit Klassenunterricht, Stundenplänen, Klausuren, Hausaufgaben, und ab und an mal Freistunden – ich fand’s super 🙂

Nun zu den Soft Skills. Natürlich setzt man sich nicht nur geschmeidig in den Unterricht, saugt das Wissen auf, übersteht Klausuren und schafft irgendwie die Abschlussprüfung. Nein – man entwickelt sich selbst (persönliche) und vor allem seine sozialen und methodischen Kompetenzen. Dazu dient eine ganze Palette von Angeboten: Projektarbeiten (z.B. Organisation von Karrieretagen oder dem Sommerfest), rhetorische Übungen (z.B. eine Rede vor der ganzen Schule zu halten :-)), soziale Projekte, Teamwettbewerbe mit anderen Hotelfachschulen (z.B. dem „Hofa-Cup“), Coaching-Konzepte oder einfach nur, private Lerngruppen bilden und sich gegenseitig die Prüfungsangst zu nehmen. Und last but not least: die ein oder andere Party….

Ganz nebenbei kann man noch weitere Zusatzqualifikationen erwerben: ob einen Ausbilderschein (gemäß AEVO), ein Zusatzkurs im Catering-, Tourismus- und Eventmanagement oder die Fachhochschulreife / Fachabitur.

Nach erfolgreicher Abschlussprüfung geht’s dann karrieretechnisch ab in die freie Wirtschaft. Natürlich sollte man gleich einen möglichst hohen Einstieg schaffen – doch man bedenke: mit Mitte zwanzig hat man meistens noch nicht die allermeiste Berufserfahrung und die anfängliche Euphorie kann schnell abstürzen. Die ersten Stimmen werden laut „das Studium hätte ich mir auch sparen können“… keine Panik Freunde. Frag die gleichen Leute mal ein, zwei Jahre später – ob F&B Manager, Assistent der Geschäftsführung (häufig bei Branchenwechsel in die Industrie), Betriebsleitung, Abteilungsleitung, Start-up-Gründer, Headhunter oder Hoteldirektor – unsere Klasse hat so einige Talente hervorgebracht, und ich bin unsagbar stolz auf jeden einzelnen von ihnen sowie auf die geilste Zeit unseres Lebens ❤