Fachthemen · für Chefs · für Mitarbeiter

international guests – Buchtipp

Es ist Messezeit, ein langer Tag geht zu Ende, gerade hat die letzte Gruppe eingecheckt – aus Japan. Plötzlich kommt der Deutsch sprechende Reiseleiter der Gruppe wutentbrannt zurück zur Rezeption und ist außer sich. Was ist passiert? Ausgerechnet der wichtigste Gast der Gruppe, hat Zimmer Nr. 444 bekommen, welches ein Bad nur mit Dusche hat und noch dazu als einziges Zimmer eine Etage unter den Zimmern der übrigen Gäste dieser Gruppe liegt.

Der Rezeptionist schaut den Reiseleiter entgeistert an und fragt sich, wo wohl die versteckte Kamera aufgebaut wurde… 😉 „Sir, wir haben bei Herrn XY extra ein schönes Zimmer vermerkt, 444 ist gerade frisch renoviert (im Gegensatz zu den anderen Zimmern), mit neuer ebenerdiger Dusche anstatt Badewanne. Wo ist das Problem?“.

Zugegeben, dieser Fall ist natürlich konstruiert, aber er hätte durchaus so eintreten können. Zur kurzen Klärung: die Zahl ‚4‘ wird (übrigens nicht nur in Japan) als Unglückszahl betrachtet, Zimmer Nr. 444 ist daher nicht gerade prickelnd (vergleichbar mit deutschen Hotels, die kein Zimmer Nr. 13 haben und oftmals keine 13. Etage). Weiterhin ist bei japanischen Delegationen darauf zu achten, dass der Ranghöchste das beste Zimmer bekommt, welches auf einer höheren Etage liegt, als die der anderen. Und außerdem wird größten Wert auf ein Zimmer mit Badewanne gelegt (dient der Entspannung).

Meinegüte, was man alles wissen soll…. Man muss ja nicht, aber dieses Wissen um unterschiedliche kulturelle Präferenzen, Umgangsformen und Reisegewohnheiten ist (meiner Ansicht nach) ungeheuer spannend 🙂

Vor sieben Jahren arbeitete ich in Köln für ein der größten Hotelketten weltweit mit einem umfangreichen internationalen Gästekreis. Gerade zu Messezeiten waren alle erdenklichen Nationen vertreten. Mein damaliger Kollege war schon etwas länger im Geschäft und kannte sich mit speziellen Gepflogenheiten der Gäste bestens aus. So lernte ich, dass man die Visitenkarte beispielsweise bei Chinesen mit beiden! Händen empfängt (um die besondere Aufmerksamkeit & Wertschätzung auszudrücken). Oder aber, dass man als deutscher Mann einer arabischen Dame nicht von sich aus die Hand reichen sollte. Als deutsche Frau kann man allerdings einem arabischen Mann durchaus die Hand anbieten.

Schon damals faszinierten mich diese „Gesetzmäßigkeiten“, schließlich wollte man als Gastgeber nie unhöflich sein, ganz im Gegenteil, auch die internationalen Gäste sollen sich herzlich willkommen fühlen. Im Ausland geht es uns schließlich ähnlich und wir empfehlen gastfreundliche Hotels gern an unsere Freunde weiter.

Daher der dringende Appell an die Hoteliers: schult Eure Mitarbeiter, damit sie interkulturelle Kompetenzen erlangen!

Auch wenn der Anteil ausländisch sprechender Gäste noch gering sein mag – Deutschland ist als internationales Tourismusziel beliebter denn je und landet sogar für 2019 auf Platz 2 der beliebtesten Reiseländer weltweit (vlg. Lonely Planet).

Mit diesem Beitrag kann ich nur allen das Buch auf dem Titelbild ans Herz legen – „Internationale Gäste„, erschienen im Matthaes Verlag. Wie lange habe ich nach so einem Werk gesucht, welches ein geballtes Fachwissen von Experten anschaulich bündelt und leicht verständlich auflistet. Insgesamt werden sieben Kulturkreise beleuchtet (der arabische, der US-amerikanische, der russische, der chinesische, der indische, der jüdische und der japanische Gästekreis).

Dabei wird jeweils zur Einleitung ein Blick auf die Reisemotive der Gästekreise geworfen, bevor man sich den einzelnen Fachbereichen ‚Beherbergung‘, ‚Gastronomie‘, ‚Aktivitäten vor Ort‘ und ‚kulturelle Herausforderungen‘ zuwendet. Am Ende jedes Kapitels gibt es eine übersichtliche Zusammenfassung sowie eine kleine Tabelle mit den wichtigsten Vokabel der jeweiligen Sprache (z.B. Herzlich Willkommen, vielen Dank, Gute Nacht :-)).

Normalerweise erspare ich es mir in meinen Büchern herumzukritzeln, aber dieses Buch ist voll von Ausrufungszeichen, Smileys und „aha“ Kommentierungen. In diesem Sinne: „Syonara“ 🙂