Fachthemen · für Chefs · für Gäste · für Mitarbeiter

Nachhaltig handeln – DER Buchtipp

An manche (Fach-)Themen für das Gastgewerbe habe ich mich bisher nicht dran gewagt. Weil sie mir irgendwie zu komplex erschienen, zu groß, zu wichtig. „Später. Läuft ja nicht weg.“ So dachte ich.

Und ich könnte mir vorstellen, dass es vielen Betrieben (übrigens nicht nur im Gastgewerbe) ähnlich geht, wenn sie an Nachhaltigkeit denken. Nachhaltigkeit – was ist das eigentlich genau? Schon bei der Verwendung dieses Begriffes wird man unsicher. Ging mir auch so. Bis mir eines Tages dieses wunderbare Fachbuch „Nachhaltig handeln im Hotel- und Gastgewerbe“ von Prof. Dr. Stephan Stomporowski und Benjamin Laux in die Hände fiel 🙂 .

Das Buch ist in vier große Blöcke aufgeteilt.

Zuallererst bekommt man als Leser eine verständliche Einführung in die Thematik der Nachhaltigkeit – zu der nicht nur die ökologische Seite zählt, sondern auch die soziale und die ökonomische (vgl. Seite 25 ff. ). Dabei stellen die Autoren einen umfassenden Bezug zum Gastgewerbe her. Eines meiner Highlights war die echt umfangreiche Darstellung der aktuellen Siegel, Label und Kooperationen, denen man sich anschließen kann. Wäre ich ein Hotelier, würde ich diese Aufstellung noch mehr lieben – denn es gibt soo viele Anbieter auf diesem Markt. Sich im Alltag alleine damit zu beschäftigen, ist kaum zu leisten.

Doch nicht nur darum kann ich diesem Buch jedem Hotelier & Co. ans Herz legen. Im zweiten Block geht´s nämlich an die Praxis, und jede Stellschraube eines Betriebes wird ausführlich beleuchtet. Und da gibt es einige Schrauben 😉 . Über nachhaltiges Bauen, Energie- und Wassersparen (z.B. in der Küche und im Housekeeping), Abfallwirtschaft, Einkauf von saisonalen und Bio-Produkten (sowie der Vermeidung von besonders stark belasteten Produkten), Dekoration, Reinigungsmitteln, Büro- und Personalmanagement ist alles vertreten. Wie viele Ausrufungszeichen, „aha“ und „stimmt“ Bemerkungen ich an den Rand geschrieben habe. Vor allem, da sich viele dieser Tipps auch in den eigenen privaten Haushalt übertragen lassen und das Buch somit auch für jeden interessant sein dürfte, der sich gern mit Nachhaltigkeit beschäftigen möchte.

Im dritten Block wird´s dann pädagogisch und die methodische Herangehensweise an der Ausarbeitung eines Schulungskonzeptes wird ausführlich vorgestellt.

Der vierte Block (im Buch „nur“ als Anhang bezeichnet) liefert nochmal eine sehr übersichtliche Checkliste mit allen möglichen Stellschrauben (wie in zweiten Block erläutert) – je nach Abteilung. Wie oft ich alleine hier nachgeschlagen habe, um zu den einzelnen Punkten nochmal kurz Input zu bekommen – superpraktisch.

Das A und O bei der nachhaltigen Ausrichtung eines Betriebes ist natürlich die Kommunikation und das ehrliche Interesse des Teams, an diesem Ziel mitzuarbeiten und sich ständig weiterzuentwickeln. Die Autoren weisen auch darauf hin, dass Nachhaltigkeit z.B. im Lehrplan der Azubis viel zu wenig vorkommt.

Und genau hier liegt der Knackpunkt, den ich privat nur bestätigen kann:

Man möchte so gern – ABER. Aber man hat gerade so viele andere Baustellen. Aber man hat gerade keine Zeit. Aber man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Aber bisher läuft es auch so ganz gut. Stimmt! (Aber wie lange noch?)

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass alleine schon die Gewohnheit, oder nennen wir es Bequemlichkeit uns davon abhält, Dinge zu verändern. Veränderungen brauchen Zeit. Und einen Impuls. Dieses Buch kann ein erster Schritt in die richtige Richtung sein 🙂 . Einfach nur, um sich als Laie einen ersten Überblick zu verschaffen. Und dann ganz klein bei sich selber anzufangen (also nicht nur im Betrieb, sondern auch privat zu Hause).

Ein Beispiel von mir: Recyclingpapier als Druckerpapier zu kaufen. Eigentlich selbstverständlich. Doch im Supermarkt um die Ecke liegt bis heute nur das Frischfaser-Papier griffbereit. Geknirscht muss ich zugeben, dass ich dieses in den letzten Jahren verwendet habe, ja, aus Zeitgründen und Bequemlichkeit, da man keine Lust hat, extra für umweltfreundliches Papier ein anderes Geschäft mit mehr Auswahl aufzusuchen. Bescheuert. Was kann man noch tun? Einfach weniger drucken (ich erinnere mich schmunzelnd an meine ehemalige Kollegin, die als Nachhaltigkeitsbeauftragte im Hotel mich öfters darauf hinweisen musste 😉 ). Warum? Weil ich es von je an gewöhnt war, vermeidlich Wichtiges erstmal auszudrucken. Da hat man was Handfestes…. Heute ist es bei mir angekommen – hat aber auch ein paar Jahre gedauert.

Manchmal braucht man für Veränderungen auch einfach andere Menschen (in der Welt des Gastgewerbes sind es z.B die Gäste, privat zu Hause sind es z.B. die Freunde), die einem immer wieder leicht und bestenfalls mit einem Augenzwinkern wieder und wieder auf die Füße treten. Das fordert den inneren Schweinehund zwar hinaus und ist ein Anfang, aber noch nicht alles. Man muss selbst! von der Idee der Nachhaltigkeit überzeugt sein, denn sonst „druckt man heimlich“ um beim eben erwähnten Beispiel von mir zu bleiben. Wenn man dann erstmal auf den Geschmack gekommen ist, nimmt man sich die nächste Stellschraube vor. Macht Spaß, hilft der Umwelt und spart langfristig meistens sogar noch Kosten.