Fachthemen · für Mitarbeiter

Berufswunsch? Hotellerie ! – are you crazy?

Diese Frage hört man von seinen Eltern und Freunden sicherlich öfter, wenn es um die Berufswahl nach der Schule oder als Quereinsteiger geht. „Da verdienst Du doch nichts“ oder „willst Du Dein Privatleben völlig aufgeben?“, „na das überleg Dir aber noch mal“ sind bekannte Weisheiten der Menschen, die es ja nur gut mit uns meinen. Dafür sind wir ihnen ja auch sehr dankbar, aber trotzdem konnte es uns Hotelfachmenschen & Co. nicht davon abhalten einen Beruf zu wählen, der aus wichtigeren Dingen wie geregelten Arbeitszeiten und üppigen Lohntüten besteht.

Warum werden sonst Menschen Künstler, Pfleger oder Streetworker? Weil sie etwa den Weg des geringsten Widerstandes so sehr lieben? Ich denke nicht. Sondern weil irgendein Teil in ihnen genau für diesen einen Beruf brennt, sie lebendig macht, sie erfüllt und sie ihre Arbeitszeiten nicht als überlebenswichtige Notwendigkeit betrachten. Und oft ist es das Glück in den Augen ihrer Fans, Patienten und Klienten, für die sie jeden Tag 100 % geben und sich noch dazu beide Beine ausreißen.

In meinem Fall sind es Gäste, Kleine & Große, Genügsame & Anspruchsvolle, Unauffällige & Kapriziöse, Inländische & Ausländische, Dankbare & Undankbare, Nette & …… 😉 aber eins haben alle gemeinsam: Wünsche. Und dass Hotelmitarbeiter ja bekannterweise alle in der Lage sind, diese zu erfüllen, wissen wir ja nicht erst seit Satire Texten wie „Ich bin Rezeptionist“, unbedingt lesen und lachen 🙂

Aber genau diese Wünsche machen unseren Beruf so unglaublich spannend. Ich kann mich an keinen einzigen Tag erinnern, an dem ich mich während meiner Schicht im Hotel jemals gelangweilt hätte. Jeder Tag ist neu, erfrischend und mit jedem Gast, der auf Dich zukommt, passiert etwas mit Dir – zumindest, wenn man ein klein wenig Empathie mit sich herumträgt und sich für Menschen interessiert. Viele Geschichten nimmt man im Herzen mit nach Hause, manche davon werden Dich Dein ganzes Leben lang bewegen (häufig auch traurige Geschichten).

Wenn man in der Hotellerie einsteigen möchte (viel Fleiß, Durchhaltevermögen und Fröhlichkeit vorausgesetzt), kann ich nur empfehlen, es von der Pike auf zu lernen und erst mal eine Ausbildung zu absolvieren (kann man auch noch mit 30+, also keine Scheu). Nur so durchläuft man jede Abteilung, ja, auch die Spülküche – eine sehr bewegende und vor allem Respekt fördernde Abteilung. Das meine ich absolut ernst! Doch es gibt natürlich noch viele andere Abteilungen, wie z.B. Housekeeping, Service, Empfang, Veranstaltungsbüro usw., deren Zusammenspiel erst mal verstanden werden muss.

Nach der Ausbildung steht einem auch schon die halbe (oder die ganze) Welt offen, Traumdestinationen inclusive. Aber es muss ja nicht gleich das andere Ende der Welt sein, ein Umzug in eine nähere Großstadt bringt auch schon viel frischen Wind um die eigene Nase. Einen Job findet man in der Hotellerie und Gastronomie mittlerweile immer! – dem starken Fachkräftemangel sei Dank.  Auch viele andere Branchen bedienen sich gern aus den TOP ausgebildeten, freundlichen, motivierten und stressresistenten Mitarbeiterpool der Hotellerie. Und falls man doch noch mal auf die Idee kommt, sein Köpfchen mit mehr Fachwissen füttern zu wollen, so bieten sich verschiedene Studiengänge, wie z.B. der staatlich geprüfte Betriebswirt an einer Hotelfachschule an (manchmal hat man auch mal das unverschämte Glück, ein Stipendium dafür zu ergattern :-)).

Und so ganz nebenbei: Mitarbeiter der Tourismusbranche haben als sogenannten Expedienten extrem viele Preisvorteile in Sachen Flügen, Hotels, Eventtickets und, und, und. Wenn das also kein Traumjob ist? Meiner ist es bis heute! Oder was meint Ihr, warum ich mich sonst auch noch in meiner Freizeit mit diesem Blog genau damit beschäftige?

P.s.: es gibt übrigens auch Bürojobs in dieser Branche, falls man doch überraschenderweise auf „normale“ Arbeitszeiten stehen sollte.