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Luxus: Zeit!

Gerade vor ein paar Tagen kam ein Beitrag im Radio, bei dem Beschäftigte gefragt wurden, ob sie lieber mehr Geld oder stattdessen etwas weniger Arbeitsstunden haben möchten. Ich grinste, weil ich mir die Antwort schon denken konnte: natürlich weniger arbeiten. Und richtig.

Was würdet Ihr antworten? Ich hätte genau das Gleiche gesagt. Zumindest bei einem Fulltime-Job.

Wie oft redet man darüber, wie schnell die Zeit vergeht, dass man gerade keine Zeit hat und auch nächste Woche noch nicht. Wie oft wollte man sich um einen lieben Menschen kümmern, ihn anrufen oder auch einfach mal auf einen Kaffee treffen. Und dann hatte man doch wieder keine Zeit. Wir ärgern uns darüber und doch schaffen es die wenigsten, daran etwas zu ändern. Ist ja auch relativ schwierig. Man kann ja nicht einfach den Job schmeißen. Doch man könnte darüber nachdenken, ob man auch mit ein paar Euro weniger in der Tasche noch über die Runden käme. Denn dann könnte man seine Arbeitszeit zumindest ein wenig verkürzen.

Wir konsumieren bis zum Umfallen, die Innenstädte sind voll und oft gönnt man sich mal dies oder das. Die Kreditkarte glüht und immer neue Rechnungen flattern ins Haus. Die Marketingexperten wissen schon, wie sie die Kunden anlocken. Und bei diesem riesigen Angebot da draußen fällt es ja auch schwer ‚Nein‘ zu sagen. Doch was wir dafür zahlen, muss eben auch erst hart erarbeitet werden. Ich persönlich verzichte lieber auf so manche Luxusartikel wie ein teures Handy & Co., dafür gönne ich mir lieber den Luxus: Zeit.

Es fühlt sich wunderbar an, ganz bewusst an Dingen vorbei zugehen, weil man sie sich nicht mehr leisten kann. Noch besser fühlt es sich aber an, einen Schritt langsamer als früher daran vorbei zugehen, weil man jetzt ein paar Stunden mehr Zeit in der Woche dafür hat (Dank Arbeitszeitverkürzung).

In Zukunft werden noch viel mehr Menschen darüber nachdenken, wie wertvoll ihre Lebenszeit eigentlich ist. Work-Life-Balance ist kein neues Modewort, das gibt es schon lange. Doch immer mehr Leute werden sich dieser bewusst. Die Wirtschaft wird es irgendwann schwerer haben, uns mit ihren massenhaft produzierten Konsumgütern hinterm Ofen hervorzulocken. Das Credo der Stunde könnte viel mehr lauten:  wo sind die schönsten Orte mitten im Nirgendwo? Wo erreicht mich keine Werbung? Wo habe ich nicht das Gefühl, etwas zu verpassen, weil mir einfach bewusst nichts angeboten wird. Viele Hotels sind schon auf einem guten Weg dahin, solche Orte zu schaffen, wo ihre Gäste zumindest mal für ein paar Tage in den Genuss dieser absoluten Ruhe und Entspannung kommen (ich spreche hier nicht von Wellnesstempeln).

Und nicht um sonst liest oder hört man immer mehr von Menschen, die aus ihrem stressigen Leben laut Zeitplan und der Karriereleiter hinterher jagend ausgestiegen sind und sich irgendwo im Nichts eine kleine Ruheoase aufgebaut haben, wo sie in ganz bescheidenen Verhältnissen leben. Und zwar gut leben, weil sie so am glücklichsten sind und endlich die Zeit für sich und anderen wichtige Menschen in ihrem Leben haben, die sie vorher dem Leben im ‚Luxus‘ geopfert haben.